Spätherbstliches Novembergrau – Tag für Tag, und damit kaum eine Gelegenheit, den Blick in die Sterne zu richten. Doch es gab auch Lichtblicke: Am Nachmittag des 11. November 2025 zeigte sich der Himmel überraschend klar. Dank des inzwischen frühen Sonnenuntergangs konnte ich bereits kurz nach 18 Uhr mit der Initialisierung des Vespera II beginnen.
Mein Ziel an diesem Abend war der „Fischkopfnebel“ IC 1795 – ein Emissionsnebel im Sternbild Kassiopeia, tief im nordöstlichen Himmel. Er bildet zusammen mit dem helleren Teilbereich NGC 896 den westlichen Rand des Herznebels (IC 1805) und gehört somit zu einem größeren Sternentstehungsgebiet im Perseus-Arm unserer Milchstraße. Da es sich um ein sehr lichtschwaches Objekt handelt, war eine entsprechend lange Belichtungszeit erforderlich. Petrus meinte es gut mit mir, und so gelang es, den Nebel über 719 Einzelaufnahmen à 10 Sekunden – also insgesamt gute zwei Stunden – zu belichten. Für alle feinen Details reichte dies zwar noch nicht aus, doch das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen.


IC1795 – Der Fischkopfnebel – 719x10sek
- 📍 Lage: Sternbild Kassiopeia, am Rand des Herznebels (IC 1805)
- 🔭 Besonderheit: Teil des großen Sternentstehungsgebiets im Perseus-Arm der Milchstraße
- ✨ Verknüpfung: Eng verbunden mit NGC 896, dem helleren Teilbereich des Herznebels
- 📏 Entfernung: ca. 6.000 Lichtjahre von der Erde
- 📐 Größe/Durchmesser: etwa 70 Lichtjahre; am Himmel ca. 40′ × 20′
- 🪐 Eigenschaften: Sehr lichtschwach, erfordert lange Belichtungszeiten für Astrofotografie
- 🌠 Struktur: Komplexe Gas- und Staubformationen, durch junge, heiße Sterne zum Leuchten angeregt
- 📖 Entdeckung: Ende der 1890er Jahre durch Edward Emerson Barnar
Nach dem erfolgreichen 11. November 2025 folgten zunächst einige Tage astronomische Flaute. Grau und dunkel blieb der Himmel, bis sich am 1. Dezember 2025 schließlich ein kurzes Zeitfenster mit ein paar Stunden klarer Sicht auftat. Doch an diesem Abend war der zunehmende Mond bereits sehr hell – rund 86 % beleuchtet – und sein Licht störte die Aufnahmen deutlich.

Für lichtschwache Nebel und Galaxien waren die Bedingungen daher wenig geeignet. Deshalb entschied ich mich, stattdessen einige Sternhaufen ins Visier zu nehmen – Objekte, die auch unter hellem Mondlicht noch gut beobachtbar sind. Erschwerend kam hinzu, dass ich am Beobachtungsstandort – im Garten – nur freie Sicht von ungefähr Nordost bis Süd hatte.
Ein kurzer Blick in Stellarium, und der Beobachtungsplan stand fest: NGC 457, M 34, M 35, M 36, M 37, M 38, M 103 sowie Melotte 25 (die Hyaden) boten sich unter den ungünstigen Mondlichtbedingungen als aussichtsreiche Kandidaten an. Darüber hinaus befand sich auch der Planet Uranus in einer günstigen Position – eine gute Gelegenheit, ihn einmal mit dem Vespera II aufzunehmen.
NGC 457 (Eulenhaufen)


NGC 457 – Der Eulenhaufen – 59x10sek
NGC 457 – auch bekannt als Eulenhaufen oder ET-Haufen – ist ein offener Sternhaufen im Sternbild Kassiopeia mit einer scheinbaren Helligkeit von ca. 6,4 mag und einem Durchmesser von etwa 30 Lichtjahren
- 📍 Lage: Sternbild Kassiopeia, im Perseus-Arm der Milchstraße
- ✨ Scheinbare Helligkeit: ca. 6,4 mag – damit schon im Fernglas sichtbar
- 📏 Entfernung: etwa 9.000–10.500 Lichtjahre von der Erde
- 📐 Größe/Durchmesser: ca. 30 Lichtjahre; Winkelausdehnung rund 20′
- 🪐 Alter: ca. 20 Millionen Jahre – ein relativ junger Sternhaufen
- ⭐ Anzahl Sterne: etwa 80–100 Mitglieder, viele davon heller als 13 mag
- 👀 Besonderheit: Die beiden hellsten Sterne (u. a. φ Cassiopeiae) erscheinen wie „Augen“ – daher die Spitznamen Eulenhaufen und ET-Haufen
- 📖 Entdeckung: 1780 von Friedrich Wilhelm Herschel
Messier 34 (M 34, NGC 1039)


M 34 – 90x10sek
Messier 34 (M 34) ist ein offener Sternhaufen im Sternbild Perseus mit einer scheinbaren Helligkeit von ca. 5,2 mag und einem Durchmesser von rund 14 Lichtjahren. Er ist bereits im Fernglas sichtbar und gehört zu den helleren offenen Sternhaufen am Winterhimmel.
- 📍 Lage: Sternbild Perseus, etwa 5° westlich von Algol
- ✨ Scheinbare Helligkeit: ca. 5,2 mag – unter guten Bedingungen mit bloßem Auge sichtbar
- 📏 Entfernung: etwa 1.600 Lichtjahre von der Erde
- 📐 Größe/Durchmesser: ca. 14 Lichtjahre; Winkelausdehnung rund 35′
- 🪐 Alter: ca. 177 Millionen Jahre – ein mittelalter Sternhaufen
- ⭐ Anzahl Sterne: etwa 100 Mitglieder, viele davon heller als 13 mag
- 👀 Besonderheit: Locker verteilte Sterne, einige auffällige Paare; ähnelt im Erscheinungsbild M 36 im Sternbild Fuhrmann
- 📖 Entdeckung: 1654 von Giovanni Hodierna, später 1764 erneut von Charles Messier katalogisiert
Messier 35 (M 35, NGC 2168)


M 35 – 89x10sek
Messier 35 (M 35, NGC 2168) ist ein großer offener Sternhaufen im Sternbild Zwillinge mit einer scheinbaren Helligkeit von ca. 5,1–5,3 mag und einem Durchmesser von rund 24 Lichtjahren. Er ist bereits im Fernglas sichtbar und gehört zu den auffälligsten Sternhaufen des Winterhimmels.
- 📍 Lage: Sternbild Zwillinge, ca. 2,5° nordwestlich von η Geminorum
- ✨ Scheinbare Helligkeit: 5,1–5,3 mag – unter dunklem Himmel mit bloßem Auge sichtbar
- 📏 Entfernung: etwa 2.700–2.800 Lichtjahre von der Erde
- 📐 Größe/Durchmesser: ca. 24 Lichtjahre; Winkelausdehnung rund 28′
- 🪐 Alter: ca. 100–175 Millionen Jahre
- ⭐ Anzahl Sterne: mehrere hundert Mitglieder; über 500 katalogisiert, viele heller als 13 mag
- 👀 Besonderheit: In unmittelbarer Nähe liegt der deutlich ältere und kompaktere Sternhaufen NGC 2158, der im gleichen Gesichtsfeld sichtbar ist – ein reizvoller Kontrast für Beobachter
- 📖 Entdeckung: 1745 von Jean-Philippe Loys de Chéseaux; später von John Bevis und Charles Messier unabhängig katalogisiert
Messier 36 (M 36, NGC 1960)


M 36 – 90x10sek
Messier 36 (M 36, NGC 1960) ist ein offener Sternhaufen im Sternbild Fuhrmann (Auriga) mit einer scheinbaren Helligkeit von ca. 6,0–6,3 mag und einem Durchmesser von etwa 14 Lichtjahren. Er gehört zu den drei markanten offenen Sternhaufen in Auriga (M36, M37, M38).
- 📍 Lage: Sternbild Fuhrmann (Auriga), nahe dem Stern φ Aurigae
- ✨ Scheinbare Helligkeit: ca. 6,0–6,3 mag – im Fernglas als nebliger Fleck erkennbar
- 📏 Entfernung: etwa 4.100–4.200 Lichtjahre
- 📐 Größe/Durchmesser: ca. 14 Lichtjahre; Winkelausdehnung rund 10–12′
- 🪐 Alter: ca. 25 Millionen Jahre – sehr jung
- ⭐ Anzahl Sterne: ca. 60–200 Mitglieder, überwiegend B-Sterne der Hauptreihe
- 👀 Besonderheit: Wegen der Anordnung der helleren Sterne auch „Pinwheel-Cluster“ genannt; bildet zusammen mit M 37 und M 38 eine markante Dreiergruppe im Fuhrmann
- 📖 Entdeckung: Um 1654 von Giovanni Battista Hodierna; später 1749 von Le Gentil erneut beschrieben und 1764 von Charles Messier katalogisiert
Messier 37 (M 37, NGC 2099)


M 37 – 89x10sek
Messier 37 (M 37, NGC 2099) ist der hellste und größte offene Sternhaufen im Sternbild Fuhrmann (Auriga) mit einer scheinbaren Helligkeit von ca. 5,6 mag und einem Durchmesser von rund 25 Lichtjahren.
- 📍 Lage: Sternbild Fuhrmann (Auriga), etwa 4° südöstlich von θ Aurigae
- ✨ Scheinbare Helligkeit: ca. 5,6 mag – unter dunklem Himmel mit bloßem Auge sichtbar
- 📏 Entfernung: ca. 4.500 Lichtjahre von der Erde
- 📐 Größe/Durchmesser: etwa 25 Lichtjahre; Winkelausdehnung rund 24′
- 🪐 Alter: ca. 350–500 Millionen Jahre – deutlich älter als M 36 und M 38
- ⭐ Anzahl Sterne: über 500 Mitglieder, darunter viele rote Riesen
- 👀 Besonderheit: Reichhaltiger und dicht gepackter Sternhaufen, wirkt im Vergleich zu M 36 und M 38 besonders eindrucksvoll
- 📖 Entdeckung: Vor 1749 von Giovanni Battista Hodierna beschrieben, später von Charles Messier 1764 katalogisiert
Messier 38 (M 38, NGC 1912)


M 38 – 122x10sek
Messier 38 (M 38, NGC 1912) ist ein offener Sternhaufen im Sternbild Fuhrmann (Auriga) mit einer scheinbaren Helligkeit von ca. 7,0–7,4 mag und einem Durchmesser von rund 25 Lichtjahren. Er bildet zusammen mit M 36 und M 37 das bekannte Auriga-Trio.
- 📍 Lage: Sternbild Fuhrmann (Auriga), etwa 2,5° nordwestlich von θ Aurigae
- ✨ Scheinbare Helligkeit: ca. 7,0–7,4 mag – im Fernglas sichtbar, im Teleskop eindrucksvoll
- 📏 Entfernung: ca. 4.200 Lichtjahre von der Erde
- 📐 Größe/Durchmesser: etwa 25 Lichtjahre; Winkelausdehnung rund 20′
- 🪐 Alter: ca. 220 Millionen Jahre
- ⭐ Anzahl Sterne: rund 100–150 Mitglieder, viele von ihnen heller als 12 mag
- 👀 Besonderheit: Die helleren Sterne bilden eine auffällige Form, die an einen Seestern erinnert – daher der Spitzname Starfish Cluster
- 📖 Entdeckung: Vor 1654 von Giovanni Battista Hodierna beschrieben, später von Charles Messier 1764 katalogisiert
Messier 103 (M 103, NGC 581)


M 103 – 119x10sek
Messier 103 (M 103, NGC 581) ist ein offener Sternhaufen im Sternbild Kassiopeia mit einer scheinbaren Helligkeit von ca. 7,4 mag und einem Durchmesser von rund 15 Lichtjahren. Er gehört zu den am weitesten entfernten offenen Sternhaufen im Messier-Katalog.
- 📍 Lage: Sternbild Kassiopeia, nahe dem Stern δ Cassiopeiae (Ruchbah)
- ✨ Scheinbare Helligkeit: ca. 7,4 mag – im Fernglas sichtbar, im Teleskop eindrucksvoll
- 📏 Entfernung: ca. 9.000–10.000 Lichtjahre von der Erde
- 📐 Größe/Durchmesser: etwa 15 Lichtjahre; Winkelausdehnung rund 6′
- 🪐 Alter: ca. 20–25 Millionen Jahre – ein relativ junger Sternhaufen
- ⭐ Anzahl Sterne: rund 170 Mitglieder, darunter mehrere rote Riesen
- 👀 Besonderheit: Kompakter, dreiecksförmiger Sternhaufen; wirkt besonders schön im Kontrast zum Hintergrund der Milchstraße
- 📖 Entdeckung: 1781 von Pierre Méchain, später von Charles Messier katalogisier
Hyaden (Melotte 25)


Hyaden (Mel 25) – 59x10sek
Die Hyaden (Melotte 25) sind der erdnächste offene Sternhaufen mit einer scheinbaren Helligkeit von ca. 0,5 mag und einem Durchmesser von rund 15 Lichtjahren. Sie prägen das Gesicht des Sternbilds Stier und bilden die charakteristische V-förmige Sternkette.
- 📍 Lage: Sternbild Stier (Taurus), bildet die V-förmige Sternkette des „Stierkopfes“
- ✨ Scheinbare Helligkeit: ca. 0,5 mag – deutlich mit bloßem Auge sichtbar
- 📏 Entfernung: nur ca. 150 Lichtjahre – der nächste offene Sternhaufen zur Erde
- 📐 Größe/Durchmesser: etwa 15 Lichtjahre; Winkelausdehnung über 5° am Himmel
- 🪐 Alter: ca. 625 Millionen Jahre
- ⭐ Anzahl Sterne: über 300 Mitglieder, viele davon Hauptreihensterne; einige rote Riesen
- 👀 Besonderheit: Die helle Aldebaran erscheint im Vordergrund, gehört aber nicht zum Haufen; die Hyaden bilden zusammen mit den Plejaden (M45) ein markantes Paar am Winterhimmel
- 📖 Entdeckung: Seit der Antike bekannt, schon in frühen Kulturen als markante Sternfigur beschriebe
Uranus
Trotz des sehr hellen Mondes gelangen die Aufnahmen erstaunlich gut. Zum Abschluss meiner vierstündigen Astro-Session im Garten wollte ich ausprobieren, wie sich das Vespera II mit seiner Brennweite von nur 250 mm bei Planeten schlägt. Dass dies mit so geringer Brennweite kaum sinnvoll sein würde, war mir von vornherein klar – es sollte vielmehr ein Test sein.
An diesem Abend standen Saturn und Uranus günstig hoch über dem Horizont. Also steuerte ich den Planet Uranus an und war überrascht: Er zeigte sich deutlich als kleines Objekt, ähnlich einem hellen Stern. Natürlich ohne jegliche Details auf seiner Oberfläche – doch allein die klare Sichtbarkeit war ein Ergebnis, das mich positiv erstaunte.


Uranus – 41x10sek – 01.12.2025, 20:09Uhr MEZ
Uranus ist der siebte Planet unseres Sonnensystems, ein Gasplanet mit ca. 50.700 km Durchmesser, einer scheinbaren Helligkeit von etwa +5,3 mag und einer extremen Achsenneigung von 97,8°, die ihn „auf der Seite liegend“ rotieren lässt.
- 📍 Position: Siebter Planet im Sonnensystem, zwischen Saturn und Neptun
- ✨ Scheinbare Helligkeit: bis ca. +5,3 mag – unter sehr dunklem Himmel gerade noch mit bloßem Auge sichtbar
- 📏 Entfernung zur Sonne: Ø ca. 2,9 Milliarden km (19,2 AE)
- 📐 Durchmesser: ca. 50.724 km (Äquator)
- 🪐 Masse: ca. 14,5 Erdmassen
- ⏳ Umlaufzeit: ca. 84 Jahre um die Sonne
- 🕐 Rotationszeit: ca. 17 Stunden
- 🔄 Achsenneigung: 97,8° – Uranus rotiert praktisch „auf der Seite“
- ❄️ Temperatur: ca. –224 °C, damit der kälteste Planet im Sonnensystem
- 🌠 Atmosphäre: Wasserstoff (83 %), Helium (15 %), Methan (2 %) – Methan sorgt für die bläuliche Farbe
- 🪐 Monde: 27 bekannte Monde (größte: Titania, Oberon, Umbriel, Ariel, Miranda)
- 💫 Ringsystem: Ja, schmal und dunkel, 13 bekannte Ringe
- 📖 Entdeckung: 1781 von Wilhelm Hersche

Bildquelle: Wikimedia Commons (gemeinfrei)
Ein rundum gelungener Abend mit vielen spannenden Objekten. Petrus zeigte sich gnädig und schenkte mir trotz des hellen Mondes ein paar klare Stunden. Nun heißt es, Geduld zu bewahren und auf die nächste Gelegenheit zu warten, um den Sternenhimmel weiter erkunden zu können.
einige Fachbegriffe sind HIER erklärt
