Das Jahr 2025 verabschiedet sich mit einem seltenen astronomischen Schauspiel: Gleich mehrere Kometen ziehen über unseren Himmel und bieten eindrucksvolle Motive für Astrofotografen. Für mich war es die Gelegenheit, drei dieser Besucher aus den Tiefen des Sonnensystems festzuhalten – jeder mit seiner eigenen Geschichte und seinen Besonderheiten. Mit meiner Nikon Z6II konnte ich den hellsten Kometen des Jahres, C/2025 A6 (Lemmon), dokumentieren. Die beiden weiteren Objekte, C/2025 R2 (SWAN) und C/2025 K1 (ATLAS), habe ich mit dem Vespera II eingefangen.
Die drei Kometen C/2025 A6 (Lemmon), C/2025 R2 (SWAN) und C/2025 K1 (ATLAS) gelten als langperiodische Objekte, die höchstwahrscheinlich aus der Oortschen Wolke stammen und damit typische Vertreter eis- und staubreicher Kometen sind. Ihre genaue chemische Zusammensetzung ist bislang nicht im Detail vermessen, entspricht jedoch nach aktuellem Kenntnisstand dem üblichen Kometenaufbau aus gefrorenen Gasen und Wassereis, gemischt mit Staub und organischem Material. Die Kerne selbst lassen sich noch nicht direkt bestimmen, da sie vollständig von einer aktiven Koma überdeckt sind; konkrete Kerngrößen liegen daher nicht vor. Beobachtungen deuten lediglich darauf hin, dass es sich – wie bei vielen langperiodischen Kometen – um vergleichsweise kleine Kerne im Bereich weniger Kilometer handeln dürfte. Bei C/2025 K1 (ATLAS) wurden zudem Anzeichen einer Fragmentierung dokumentiert, was auf eine strukturelle Instabilität des Kerns hinweist.
Und schließlich hat es auch mit dem interstellaren Besucher 3I/ATLAS noch geklappt. Nach mehreren wetterbedingten Fehlschlägen gelang am frühen Morgen des 16. Dezember 2025 endlich eine Aufnahme – erneut mit dem Vespera II, das trotz Dunst und Temperaturen um den Gefrierpunkt zuverlässig arbeitete. Damit konnte ich zum Jahresende nicht nur drei, sondern sogar vier außergewöhnliche Himmelsobjekte festhalten, darunter einen seltenen interstellaren Kometen, der unser Sonnensystem nur ein einziges Mal durchquert.
Astronomische Begriffe wie Aphel oder Perihel sind hier erklärt!
C/2025 A6 (Lemmon)






oben links: aufgenommen am 18.10.2025 – 19:55 (MESZ), Nikon Z6II – F/4, 6sek, ISO 3200, 24mm, Lemmon über Westhausen
oben Mitte: aufgenommen am 18.10.2025 – 20:05 (MESZ), Nikon Z6II – F/4, 6sek, ISO 3200, 120mm
oben rechts: aufgenommen am 18.10.2025 – 19:40 (MESZ), Vaonis Vespera II, 42x10sek
C/2025 A6 (Lemmon) hatte am 18.10.2025 eine Helligkeit von 4,3mag(V)
unten links: aufgenommen am 05.11.2025 – 17:40 (MEZ), Nikon Z6II – F/4, 3sek, ISO 3200, 45mm, Lemmon über Günterode
unten Mitte: aufgenommen am 08.11.2025 – 17:40 (MEZ), Nikon Z6II – F/4, 5sek, ISO 3200, 87mm, Lemmon über Landwirtschaft Westhausen
unten rechts: aufgenommen am 08.11.2025 – 17:45 (MEZ), Vaonis Vespera II, 29x10sek
C/2025 A6 (Lemmon) hatte am 05.11.2025 eine Helligkeit von 4,6 und am 08.11.2025 von 4,8mag(V)


links: die Position von C/2025 A6 (Lemmon) am 18.10.2025 im inneren Sonnensystem – rechts: die gesamte Umlaufbahn
Quelle: https://theskylive.com
einige Daten & Fakten:
Entdeckung: 3. Januar 2025 durch D. Carson Fuls (Mount Lemmon Survey, Arizona)
Perihel: 8. November 2025 bei 0,53 AE ≈ 79 Mio. km
Aphel: ca. 243 AE ≈ 36,4 Mrd. km inbound, 215 AE ≈ 32,2 Mrd. km outbound
größte Erdannäherung: 21. Oktober 2025 bei 0,60 AE ≈ 89 Mio. km
max. Helligkeit: +3 bis +4 mag – sichtbar im Fernglas, teilweise sogar mit bloßem Auge
Bahnneigung: 143,7° (retrograd)
Umlaufzeit: rund 1.200–1.350 Jahre
Größe: Der Kern ist nicht direkt vermessen, aber typische Oortwolken-Kometen dieser Helligkeit haben Kerne von 1–5 km Durchmesser.
Zusammensetzung: Als Oortwolken-Komet gilt er als „schmutziger Schneeball“ aus Wassereis, CO₂, CO, Methan, Ammoniak und Staubpartikeln.
Besonderheit: Hellster Komet des Jahres 2025
C/2025 R2 (SWAN)
Die Beobachtung des Kometen C/2025 R2 (SWAN) erwies sich als anspruchsvoll. Mit der Nikon Z6II war er unter den gegebenen Bedingungen nicht sichtbar, die Empfindlichkeit reichte nicht aus, um ihn zuverlässig abzubilden. Erst mit dem Vaonis Vespera II gelang die Aufnahme – das kompakte Teleskop konnte den schwachen Schweif und die diffuse Koma deutlich erfassen.

aufgenommen am 18.10.2025 – 20:10 (MESZ), Vaonis Vespera II, 36x10sek – SWAN hatte zum Zeitpunkt eine Helligkeit von 5,8mag(V)


links: die Position von C/2025 R2 (SWAN) am 18.10.2025 im inneren Sonnensystem – rechts: die gesamte Umlaufbahn
Quelle: https://theskylive.com
einige Daten & Fakten:
Entdeckung: 11. September 2025 durch Vladimir Bezugly auf SOHO-SWAN-Bildern
Perihel: 12. September 2025 bei 0,50 AE ≈ 74,8 Mio. km
Aphel: ca. 163–167 AE ≈ 24,4–25,0 Mrd. km
größte Erdannäherung: 20. Oktober 2025 bei 0,26 AE ≈ 39 Mio. km
Helligkeit: um +6 mag – ein Objekt für das Fernglas oder Teleskop
Bahnneigung: 4,5° – fast in der Ekliptik
Umlaufzeit: ca. 766 Jahre (inbound) / ~737 Jahre (outbound)
Größe: unsicher – wahrscheinlich Durchmesser <2km
Zusammensetzung: Typische Kometenzusammensetzung aus Eis und Staub
C/2025 K1 (ATLAS)
Auch der Komet C/2025 K1 (ATLAS) ließ sich mit der Nikon Z6II nicht aufnehmen – seine Helligkeit und die Bedingungen reichten dafür nicht aus. Sichtbar war er ohnehin nur in den frühen Morgenstunden, was die Beobachtung zusätzlich erschwerte. Wolken, Nebel und generell schlechtes Wetter machten mir dabei oft einen Strich durch die Rechnung, sodass nur eine Gelegenheit für eine erfolgreiche Dokumentation blieb.

aufgenommen am 08.11.2025 – 04:50 (MEZ), Vaonis Vespera II, 29x10sek – ATLAS hatte zum Zeitpunkt eine Helligkeit von 9,8mag(V)


links: die Position von C/2025 K1 (ATLAS) am 08.11.2025 im inneren Sonnensystem – rechts: die gesamte Umlaufbahn
Quelle: https://theskylive.com
einige Daten & Fakten:
Entdeckung: 24. Mai 2025 durch das ATLAS-Programm in Chile
Perihel: 8. Oktober 2025 bei 0,334 AE ≈ 50 Mio. km
Aphel: über 1.000 AE ≈ 150 Mrd. km – hyperbolische Bahn, möglicher Einmalbesucher aus der Oort-Wolke
größte Erdannäherung: 24./25. November 2025 bei 0,40 AE ≈ 60 Mio. km
Helligkeit: +9 bis +10 mag – schwächer, aber im Teleskop gut sichtbar
Bahnneigung: 147,9° – stark geneigt, fast hyperbolisch
Umlaufzeit: keine feste Periode, da hyperbolisch (möglicher Einmalbesucher)
Größe: Der Kern hat sich im November 2025 in mehrere Fragmente aufgelöst10. Vor dem Zerfall dürfte er einige Kilometer groß gewesen sein.
Zusammensetzung: Wie andere Oortwolken-Kometen aus Eis (Wasser, CO₂, CO) und Staub. Der Zerfall zeigt die geringe mechanische Stabilität solcher Körper.
Besonderheit: Exotischer Komet, möglicherweise nur einmal im Sonnensystem sichtbar, der Kern spaltete sich im Herbst 2025 in mindestens drei Fragmente.
Neben diesen drei dokumentierten Objekten waren noch weitere Kometen unterwegs – darunter 3i/ATLAS, ein interstellarer Kandidat, der für viel Aufmerksamkeit sorgte. Leider verhinderten die anhaltend schlechten Wetterbedingungen im Eichsfeld eine Aufnahme. So blieb es bei den drei dokumentierten Kometen, die dennoch ein eindrucksvolles Bild der Vielfalt dieser Himmelskörper vermitteln.
Update 16.12.2025
Am frühen Morgen des 16.12.2025, gegen 5:50 Uhr, hat es endlich geklappt: Trotz leichten Dunstes und etwas Nebel gelang mir eine Aufnahme des interstellaren Kometen 3I/ATLAS, der sich derzeit im Sternbild Löwe befindet. Die Bedingungen waren zwar alles andere als ideal, doch mein Vaonis Vespera II hat bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zuverlässig gearbeitet und aus 35 × 10 Sekunden Belichtungszeit das Beste herausgeholt.
Mit der Nikon Z6II war der Komet zuvor nicht zu erfassen – seine geringe Helligkeit und die oft ungünstigen Wetterbedingungen ließen keine brauchbaren Ergebnisse zu. Da 3I/ATLAS ausschließlich in den frühen Morgenstunden sichtbar ist und Wolken, Nebel sowie wechselhaftes Winterwetter mir häufig einen Strich durch die Rechnung machten, war dieser Morgen umso erfreulicher.
Der interstellare Komet 3I/ATLAS ist ein seltener Besucher aus den Tiefen des Alls. Er stammt aus einem fremden Sonnensystem, wurde am 1. Juli 2025 vom ATLAS‑Teleskop entdeckt und ist erst das dritte bestätigte interstellare Objekt nach ʻOumuamua und Borisov. Seine aktuelle Helligkeit liegt bei etwa 9 mag und macht ihn nur mit Teleskop oder starkem Fernglas sichtbar. Der Kern wird auf wenige Kilometer Größe geschätzt.
Am 19. Dezember 2025 erreicht 3I/ATLAS seine erdnächste Distanz von rund 270 Millionen Kilometern – völlig ungefährlich, aber ein bemerkenswertes Ereignis für die Astronomie. Danach verlässt er unser Sonnensystem für immer. Ein kosmischer Besucher, den wir nur ein einziges Mal sehen werden, bevor er wieder in die Tiefen des Universums entschwindet.


3I/ATLAS – einige Daten & Fakten
Entdeckung: 1. Juli 2025 durch das ATLAS-Programm (Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System) in Chile (gemeldet an den Minor Planet Center)
Bezeichnungen: 3I/ATLAS, C/2025 N1 (ATLAS), früher A11pl3Z
Perihel: 30. Oktober 2025 bei ~1,4 AE ≈ 210 Mio. km (zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Erde)
nächste Erde-Annäherung: ca. 19. Dezember 2025 bei ~1,8 AE ≈ 270 Mio. km – keine Gefahr für die Erde
Helligkeit: eher schwach, nur im Teleskop zu beobachten; erreicht zeitweise etwa Mag. 11–13
Bahnneigung: stark geneigt, retrograd, charakteristisch für interstellare Besucher
Bahntyp: hyperbolisch – ungeboundene Bahn, Objekt kommt aus dem interstellaren Raum und verlässt das Sonnensystem wieder
Umlaufzeit: hat keine periodische Umlaufbahn um die Sonne – 3I/ATLAS ist ein Einmalbesucher
Größe: Schätzungen der Kerndurchmesser variieren; Hubble-Beobachtungen deuten auf ~0,5–5,6 km Kerndurchmesser hin
Zusammensetzung: Aktiver interstellarer Komet mit einem eisigen Kern und einer aus sublimiertem Eis bestehenden Gas-/Staub-Hülle (Coma); typische volatile Bestandteile wie CO₂ und andere Gase beobachtet
Herkunft: Das Objekt stammt nicht aus unserem Sonnensystem. Seine hyperbolische Bahn und hohe Vorbeigeschwindigkeit zeigen, dass es aus dem interstellaren Raum kommt – es wurde vermutlich in einem anderen Sternsystem innerhalb der Milchstraße gebildet und über lange Zeit ausgeschleudert, bevor es unser Sonnensystem passierte.
Besonderheit:
- Dritter bestätigter interstellarer Besucher im Sonnensystem nach 1I/‘Oumuamua (2017) und 2I/Borisov (2019).
- Wissenschaftlich wichtig, weil es Material liefert, das in einem anderen Sternsystem entstanden ist und Einblicke in die Zusammensetzung außersolarer Planeten- und Kometenreservoirs erlaubt.
