Unsere Pfingstwoche führte uns diesmal ins Egerland, genauer gesagt nach Skalná (Wildstein) – nur wenige Autominuten von Bad Brambach entfernt und damit unmittelbar an der deutschen Grenze. Die Lage hätte für unsere Ausflüge kaum besser sein können: ruhig, nah an der Natur und gleichzeitig ideal, um die westböhmischen Kurorte, historischen Städte und Landschaften des Kaiserwaldes zu erreichen.
Von hier aus starteten wir unsere Touren nach Františkovy Lázně (Franzensbad), Cheb (Eger), Sokolov (Falkenau), zur Brauerei Chodovar in Chodová Planá (Kuttenplan), nach Lázně Kynžvart (Bad Königswart) und tief hinein in den Kaiserwald, wo wir das beeindruckende Bergbaumuseum in Krásno (Schönfeld) besucht haben.
Skalná (Wildstein) – Ausgangspunkt unserer Pfingstwoche im Egerland
Über dem Ort erhebt sich die Burg Wildstein, eine der ältesten Burganlagen Westböhmens. Ihre Ursprünge reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als sie als Grenzfeste zwischen dem Egerland und dem sächsischen Vogtland diente.
Typisch für diese Region ist die Mischung aus romanischen Grundstrukturen und späteren gotischen und barocken Umbauten. Heute wirkt die Burg angenehm unprätentiös: keine überlaufene Touristenattraktion, sondern ein authentischer Ort, an dem man die Geschichte eher spürt, als dass sie einem erklärt wird.
Von oben hat man einen weiten Blick über die Wälder, Teiche und Felder, die das Egerland prägen – ein idealer Einstieg in die Region.








Starý Rybník (Altenteich) – stille Ruine am See
Nur wenige Minuten von Skalná entfernt liegt Starý Rybník (Altenteich), ein winziges Dorf mit einer eindrucksvollen Ruine direkt am Wasser. Die Burgruine Altenteich stammt ebenfalls aus dem Mittelalter und gehörte einst zu einem ganzen System von Grenzburgen, die das Egerland sicherten.
Heute steht sie malerisch am Ufer des großen Teiches, umgeben von Schilf, alten Bäumen und einer fast schon märchenhaften Ruhe. Genau der richtige Ort für einen kurzen Stopp, ein paar Fotos und einen Moment zum Durchatmen.




Františkovy Lázně (Franzensbad) – Jugendstil, Heilquellen und das stille Herz des Bäderdreiecks
Nur wenige Fahrminuten von Skalná entfernt liegt Franzensbad, der nördlichste Ort des berühmten Westböhmischen Bäderdreiecks (Franzensbad – Karlsbad – Marienbad). Im Gegensatz zu den beiden größeren Kurstädten wirkt Franzensbad bewusst ruhig, fast schon entschleunigt – und genau das macht seinen Charme aus.
Ein Kurort mit Geschichte
Gegründet wurde Franzensbad 1793 auf Initiative von Kaiser Franz II., der dem Ort auch seinen Namen gab. Ziel war es, die bereits seit Jahrhunderten bekannten Heilquellen systematisch zu nutzen und einen modernen Kurort nach damaligen Maßstäben zu schaffen.
Schon im 19. Jahrhundert entwickelte sich Franzensbad zu einem der bedeutendsten europäischen Heilbäder – besonders beliebt bei Adligen, Künstlern und später auch bei der bürgerlichen Oberschicht.
Die Besonderheiten der Quellen
Franzensbad ist berühmt für seine kohlensäurehaltigen Mineralquellen, die sich in Zusammensetzung und Wirkung deutlich von denen in Karlsbad oder Marienbad unterscheiden. Typisch sind:
- hoher CO₂‑Gehalt
- eisenhaltige, kalte Quellen
- heilende Moorvorkommen in unmittelbarer Umgebung
Die bekannteste Quelle ist die Franzensquelle, deren Wasser schon früh für Herz‑ und Kreislauftherapien genutzt wurde. Dazu kommt das berühmte Franzensbader Moor, das bis heute in vielen Kuranwendungen eine zentrale Rolle spielt.
Stadtbild & Atmosphäre
Franzensbad ist ein Musterbeispiel für klassizistische und Jugendstil‑Architektur:
- gelb‑weiße Kurhäuser
- lange Kolonnaden
- gepflegte Parkanlagen
- ruhige Promenaden
Kurtradition bis heute
Der Ort ist bis heute ein aktives Heilbad mit Spezialisierung auf:
- Herz‑ und Gefäßerkrankungen
- Frauenheilkunde
- Regeneration & Erholung
Auch ohne Kurprogramm lohnt sich ein Besuch: ein Spaziergang durch die Parks, ein Kaffee unter den Kolonnaden oder ein kurzer Stopp an einer der frei zugänglichen Quellen gehören einfach dazu.







Cheb (Eger) – Geschichte, Architektur und ein Besuch der Kirche Sv. Mikuláš
Nach Franzensbad führte uns der Weg weiter nach Cheb (Eger), eine der geschichtlich bedeutendsten Städte Westböhmens. Schon bei der Einfahrt spürt man, dass Cheb anders ist als viele andere Städte der Region: größer, lebendiger, mit einem Stadtbild, das von Jahrhunderten europäischer Geschichte geprägt wurde.
Altstadt & Stöckl – ein einzigartiges Ensemble
Das Herz der Stadt bildet der Marktplatz mit dem Stöckl, einer Reihe spätmittelalterlicher Kaufmannshäuser, die zu den bekanntesten Baudenkmälern Böhmens gehören. Die farbigen Fassaden, die schmalen Giebel und die kleinen Durchgänge erzählen viel über die Handelsgeschichte der Stadt, die einst ein wichtiger Knotenpunkt zwischen Bayern, Sachsen und Böhmen war.
Auch die umliegenden Gassen sind geprägt von:
- gotischen Bürgerhäusern
- barocken Fassaden
- kleinen Innenhöfen
- restaurierten Arkaden
Cheb wirkt authentisch, nicht überrestauriert – ein Ort, der seine Geschichte sichtbar trägt.
Kirche Sv. Mikuláš & Sv. Alžběta – das markante Doppelturm‑Ensemble
Ein Höhepunkt unseres Besuchs war das eindrucksvolle Kirchenensemble aus:
- Kostel sv. Mikuláše – Nikolauskirche
- Kostel sv. Alžběty – Elisabethkirche
Beide Kirchen stehen direkt nebeneinander auf einem erhöhten Kirchplatz und bilden eines der markantesten Silhouetten der Stadt.
Geschichte & Architektur
- Ursprünge im 12. Jahrhundert
- romanische Grundstruktur, später gotisch erweitert
- zwei mächtige Türme, die das Stadtbild prägen
- Innenraum mit gotischen Gewölben und barocken Ergänzungen
Die Kombination aus zwei eng beieinanderstehenden Kirchen ist ungewöhnlich und macht das Ensemble zu einem besonderen architektonischen Zeugnis der mittelalterlichen Stadtentwicklung.
Atmosphäre
Beim Betreten der Nikolauskirche fällt sofort die ruhige, fast meditative Stimmung auf: gedämpftes Licht, hohe Gewölbe, der Duft alter Steine.
Von außen wirken die beiden Kirchen wie ein stiller Wächter über der Stadt – ein Ort, der Geschichte nicht nur zeigt, sondern spürbar macht.

























Sokolov (Falkenau) – Zwischen Bergbaugeschichte und barocker Schlossanlage
Von Cheb aus ging es weiter nach Sokolov (Falkenau), eine Stadt, die auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, aber eine überraschend interessante Mischung aus Industriegeschichte, gepflegter Innenstadt und barocker Architektur bietet. Besonders rund um den Marktplatz zeigt sich Falkenau von seiner ruhigen, charmanten Seite.
Innenstadt – kompakt, ruhig und mit klarer Struktur
Die Innenstadt von Sokolov ist übersichtlich und angenehm zu Fuß zu erkunden. Breite Wege, kleine Geschäfte und ein zentraler Platz prägen das Bild. Man merkt der Stadt ihre Vergangenheit als Bergbauzentrum an, aber gleichzeitig wurde viel Wert darauf gelegt, historische Gebäude zu erhalten und den Stadtkern freundlich zu gestalten.
Typisch für Sokolov:
- renovierte Fassaden im historischen Zentrum
- ruhige Plätze und kleine Cafés
- ein Mix aus älteren Bürgerhäusern und moderneren Gebäuden
Gerade an einem sonnigen Tag wirkt die Stadt entspannt und unaufgeregt – ideal für einen kurzen Rundgang.
Schloss Sokolov – barocke Eleganz im Herzen der Stadt
Das Schloss Sokolov ist das architektonische Highlight der Stadt. Ursprünglich im 13. Jahrhundert als Wasserburg angelegt, wurde es später zu einem repräsentativen barocken Schloss umgebaut. Heute bildet es einen markanten Kontrast zur industriellen Geschichte der Region.
Besonderheiten des Schlosses
- barocke Fassaden mit klaren Linien
- gepflegter Innenhof
- historischer Turm mit Blick über die Stadt
- kleine Ausstellungen zur Regionalgeschichte
Das Schloss wirkt nicht überladen oder touristisch, sondern angenehm authentisch. Man spürt, dass es über Jahrhunderte ein wichtiger Verwaltungssitz war – erst für Adelsfamilien, später für die Region selbst.
Atmosphäre
Der Innenhof ist ruhig, fast schon abgeschirmt vom Stadtleben. Perfekt für einen Moment Pause, bevor es weitergeht. Die Kombination aus barocker Architektur und der umliegenden Parkanlage macht das Schloss zu einem der schönsten Orte in Sokolov.























Pivovar Chodovar – Brautradition und Felsrestaurant „Ve Skále“
Ein weiteres Ziel in unserer Urlaubswoche war die Brauerei Chodovar in Chodová Planá (Kuttenplan) – eine der ältesten Familienbrauereien Westböhmens und weit über die Region hinaus bekannt. Die Anlage liegt eingebettet zwischen alten Felsformationen und historischen Gebäuden, was ihr einen ganz eigenen Charakter verleiht.
Brauerei mit langer Tradition
Die Geschichte der Brauerei reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Seit Generationen wird hier klassisches böhmisches Bier gebraut – mit weichem Wasser aus den Granitfelsen des Kaiserwaldes und nach traditionellen Verfahren. Typisch für Chodovar:
- untergärige Lagerbiere
- naturbelassene Spezialitäten
- eigene Mineralquelle
- historische Felsenkeller
Die Brauerei ist heute ein kleines Erlebniszentrum: Brauerei, Museum, Restaurant und sogar ein Bier‑Wellnessbereich gehören dazu.
Restaurant „Ve Skále“ – Essen im Felsenkeller
Das Highlight unseres Besuchs war das Restaurant „Ve Skále“ – übersetzt „Im Felsen“. Es befindet sich in einem weit verzweigten, natürlichen Felsenkeller, der früher zur Bierlagerung genutzt wurde. Heute sitzt man dort zwischen grob behauenen Steinwänden, gedämpftem Licht und einer Atmosphäre, die man so schnell nicht vergisst.
Was das „Ve Skále“ besonders macht
- echtes Felsgewölbe, mehrere Meter tief im Berg
- konstante, kühle Temperatur – perfekt für Bier
- rustikale, ehrliche böhmische Küche
- frisch gezapftes Chodovar direkt aus der Quelle der Brauerei
Die Kombination aus traditioneller Küche, dem besonderen Ambiente und dem Bier direkt aus der Brauerei macht das „Ve Skále“ zu einem der eindrucksvollsten Gastronomieorte der Region.
Atmosphäre
Es ist einer dieser Orte, an denen man sofort merkt, dass er nicht künstlich für Touristen geschaffen wurde. Alles wirkt authentisch, bodenständig und gleichzeitig außergewöhnlich. Ein idealer Zwischenstopp auf einer Tour durch Westböhmen.


















Zámek Kynžvart (Schloss Königswart) – Eleganz im Kaiserwald
Ein weiteres Ziel unserer Pfingstwoche war Zámek Kynžvart, auf Deutsch Schloss Königswart. Die Anlage gehört zu den schönsten klassizistischen Schlössern Westböhmens und liegt am Rand des Kaiserwaldes, eingebettet in einen weitläufigen englischen Landschaftspark.
Der Sommersitz der Familie Metternich
Schloss Königswart wurde im 17. Jahrhundert errichtet und später unter Fürst Klemens Wenzel von Metternich, dem einflussreichen österreichischen Staatskanzler, umfassend im klassizistischen Stil umgestaltet. Dadurch erhielt es sein heutiges, helles und harmonisches Erscheinungsbild.
Typische Merkmale:
- klare, symmetrische klassizistische Fassaden
- repräsentative Säle und Salons
- elegante Kolonnaden
- ein weitläufiger Landschaftspark mit Teichen und alten Baumgruppen
Man merkt sofort, dass Königswart nicht nur ein Adelssitz war, sondern ein Ort politischer Bedeutung. Metternich nutzte das Schloss als Rückzugsort und als Treffpunkt für Diplomaten, Wissenschaftler und Persönlichkeiten aus ganz Europa.
Bibliothek & Sammlungen
Besonders beeindruckend sind die historischen Sammlungen im Schloss:
- die Metternich‑Bibliothek mit wertvollen Handschriften
- ein Kuriositätenkabinett mit naturkundlichen Objekten, Münzen, Kunsthandwerk und diplomatischen Geschenken
- historische Möbel und Einrichtungsstücke aus mehreren Jahrhunderten
Diese Räume gehören zu den eindrucksvollsten Teilen der gesamten Anlage und vermitteln ein lebendiges Bild der damaligen Zeit.
Atmosphäre im Park
Der Schlosspark lädt zu einem ruhigen Spaziergang ein: breite Wege, alte Bäume, stille Wasserflächen und immer wieder schöne Blickachsen auf das Schloss. Alles wirkt gepflegt, ruhig und einladend – ein Ort, an dem man die Geschichte nicht nur sieht, sondern wirklich spürt.









Hornické muzeum Krásno (Bergbaumuseum Schönfeld) – Industriekultur im Herzen des Kaiserwaldes
Zum Abschluss unserer Reiseführte uns der Weg tief in den Kaiserwald nach Krásno, auf Deutsch Schönfeld. Hier befindet sich das Hornické muzeum Krásno, eines der größten und eindrucksvollsten Bergbaumuseen Tschechiens. Schon die Anfahrt durch die Wälder und Hügel des Kaiserwaldes macht deutlich, wie eng die Region über Jahrhunderte mit dem Bergbau verbunden war.
Ein Museum auf historischem Boden
Das Museum liegt auf dem Gelände der ehemaligen Zinn- und Erzgruben von Schönfeld. Viele der Gebäude stammen noch aus der aktiven Bergbauzeit und wurden sorgfältig restauriert. Dadurch wirkt das Gelände nicht wie ein künstlich aufgebautes Museum, sondern wie ein authentischer Ort, an dem die Geschichte des Bergbaus noch greifbar ist.
Besonders beeindruckend:
- historische Förderanlagen
- alte Maschinen und Werkzeuge
- restaurierte Betriebsgebäude
- Freigelände mit Schienen, Loren und Technik aus mehreren Epochen
Man bekommt einen sehr guten Eindruck davon, wie hart und technisch anspruchsvoll die Arbeit unter Tage gewesen ist.
Technik zum Anfassen
Ein Highlight des Museums ist die Sammlung historischer Bergbautechnik, darunter:
- funktionsfähige Dampfmaschinen
- alte Kompressoren
- Fördermaschinen
- Grubenbahnen und Lokomotiven
Viele Exponate sind nicht nur ausgestellt, sondern werden teilweise vorgeführt oder sind so präsentiert, dass man sie aus nächster Nähe betrachten kann. Das macht den Besuch besonders lebendig.
Atmosphäre zwischen Wald und Industriegeschichte
Die Kombination aus schwerer Bergbautechnik und der ruhigen Landschaft des Kaiserwaldes erzeugt eine besondere Stimmung. Man steht zwischen alten Maschinen, hört den Wind durch die Bäume und spürt gleichzeitig die industrielle Vergangenheit der Region. Ein spannender Kontrast, der den Besuch einzigartig macht.



























Kulinarische Empfehlungen in Skalná (Wildstein)
Hospůdka na chaloupce (Gasthaus im Häuschen) „Schnitzelfranz“














weitere Infos: https://www.hotel-skalna.cz/
Restaurace a penzion Pod Komínem („unter dem Schornstein“)











weitere Infos: https://www.penzion-podkominem.cz/
