Polarlichter über dem Eichsfeld – ein seltenes Himmelsphänomen

Ein außergewöhnliches Schauspiel

Mehrfach konnte ich in den letzten Monaten ein besonderes Naturschauspiel im Eichsfeld erleben: Polarlichter, die über den Himmel tanzten. Solche Erscheinungen sind in unserer Region äußerst selten und daher immer etwas ganz Besonderes – gerade so weit südlich.
Mit bloßem Auge war im besten Fall nur ein schwacher Schimmer am Horizont wahrnehmbar, doch durch die Kamera wurden die leuchtenden Farben sichtbar. Schon ein einfaches Smartphone reicht oft aus, um diese Lichter einzufangen.

Warum gerade jetzt so häufig?

Dass Polarlichter aktuell häufiger bis nach Deutschland sichtbar sind, liegt an der außergewöhnlich aktiven Phase unserer Sonne. Wir befinden uns mitten im Sonnenfleckenzyklus 25, der Ende 2019 begonnen hat. Jeder Sonnenzyklus dauert im Schnitt rund elf Jahre und verläuft zwischen einem ruhigen Minimum und einem sehr aktiven Maximum.

Der Höhepunkt dieses Zyklus – das sogenannte Sonnenfleckenmaximum – wurde ursprünglich für das Jahr 2025 prognostiziert. Inzwischen zeigen die Messungen jedoch, dass die Aktivität der Sonne deutlich stärker ist als erwartet. Bereits 2024 wurden außergewöhnlich hohe Sonnenfleckenzahlen und zahlreiche starke Sonneneruptionen verzeichnet.

Solche Ausbrüche schleudern energiereiche Teilchen ins All. Treffen sie auf das Magnetfeld der Erde, können sie die farbenprächtigen Polarlichter erzeugen. Normalerweise geschieht das in den Polarregionen. Doch während des Sonnenmaximums steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Lichter auch in mittleren Breiten – also bis nach Deutschland – sichtbar werden.

Auf dem Hohen Kreuz bei Bischhagen am 12.09.2024

Hohes Kreuz bei Bischhagen am 12.09.2024 (Zeitraffer mit DJI Osmo Action 4)

Polarlichter und ihre Farben

Die typischen Farben – grün, rot, violett – entstehen durch Wechselwirkungen der Sonnenpartikel mit verschiedenen Gasen in der Erdatmosphäre.

  • Sauerstoff in rund 100 km Höhe leuchtet grün.
  • In größeren Höhen erzeugt er rötliches Licht.
  • Stickstoff kann violette und bläuliche Töne hervorrufen.

Während man mit bloßem Auge in unseren Breiten meist nur einen schwachen grauen oder leicht grünlichen Schimmer wahrnimmt, zeigt die Kamera die volle Farbvielfalt. Längere Belichtungszeiten verstärken den Effekt deutlich.

Hohes Kreuz bei Bischhagen am 10.10.2024 bei (leider) Wolkenverhangenen Himmel (Zeitraffer mit DJI Osmo Action 4)

Wie lange bleibt es spannend?

Der aktuelle Sonnenzyklus 25 wird voraussichtlich bis etwa 2030 andauern. Wir befinden uns derzeit mitten im Maximum, sodass auch in den kommenden Monaten und Jahren mit erhöhter Sonnenaktivität zu rechnen ist. Selbst nach dem Höhepunkt können immer wieder starke Eruptionen auftreten, die uns Polarlichter bis nach Mitteleuropa bescheren.

Das bedeutet: Auch künftig lohnt es sich, bei klarer Nacht den Himmel im Blick zu behalten und die Kamera griffbereit zu haben.

Auf dem Hohen Kreuz bei Bischhagen am 10.10.2024

Live-Check per Smartphone: Sonnenaktivität & Polarlicht-Chancen

Wer die Chancen im Blick behalten will, kann das bequem per App: Wichtig sind Kp-Index, Bz-Wert (Südkomponente des Sonnenwind-Magnetfelds) und Solarwind-Geschwindigkeit. Ein höherer Kp sowie negatives Bz (südlich) erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Sichtungen bis in mittlere Breiten. Offizielle Referenzen sind z. B. der NOAA-Kp-Index und die 30-Minuten-Aurora-Prognose (OVATION).

Zur Einordnung: Der Kp-Index ist ein globales Maß für geomagnetische Aktivität und wird u. a. vom GFZ Potsdam bereitgestellt/erklärt. In Phasen hoher Aktivität steigen die Chancen, Polarlichter auch in Deutschland zu sehen.

Fazit

Die Polarlichter über dem Eichsfeld sind ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie nah uns die Dynamik unserer Sonne sein kann. Für mich sind diese Nächte unvergesslich – nicht nur wegen der Bilder, sondern auch wegen der Faszination, Teil dieses seltenen Naturschauspiels zu sein.

Hast du selbst schon Polarlichter im Eichsfeld gesehen?
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Auf dem Hohen Kreuz bei Bischhagen am 02.09.2025


Update 30.09.2025

aufgenommen am Hohen Kreuz bei Bischhagen – Nikon Z6II – 14mm – F2.8 – ISO3200 – 15sek


Update 11.12.2025

In der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 2025 waren erneut Polarlichter über Deutschland sichtbar. Meiner befreundeten Fotografin Evelin Krahl gelang es, das Schauspiel am frühen Morgen um 03:19 Uhr in Rehungen im benachbarten Landkreis Nordhausen einzufangen.

Nikon D750 mit Nikkor 14-24 F2.8, 17mm, ISO4000, 6sek – die Kamera war mit Heizmanschette und Powerbank als Beschlagschutz ausgestattet – Foto: Evelin Krahl

Die Sonne am Mittag des 12.12.2025 zeigt deutliche Sonnenflecken – aufgenommen mit Vaonis Vespera II + Sonnenfilter


Update 19.01.2026

Das extreme Polarlicht vom 19. Januar 2026 – Polarlicht im Eichsfeld

Am Abend des 19. Januar 2026 zeigte sich über dem Eichsfeld ein Polarlicht, das in Intensität, räumlicher Ausdehnung und Farbenpracht weit über das hinausging, was man in Mitteleuropa normalerweise erlebt. Ursache dieses außergewöhnlichen Naturereignisses war eine Phase besonders starker Sonnenaktivität, ausgelöst durch die aktive Sonnenfleckengruppe AR 4341.

Am 18. Januar 2026 gegen 19:09 MEZ produzierte diese Region einen langanhaltenden X-Klasse-Sonnenflare der Stärke X1.9, einen der stärkeren Ausbrüche der aktuellen Sonnenzyklus-Hochphase. Mit dem Flare war ein erdgerichteter koronal­er Massenauswurf (CME) verbunden – eine enorme Wolke aus elektrisch geladenem Plasma, die mit hoher Geschwindigkeit ins All geschleudert wurde.

Der CME bewegte sich außergewöhnlich schnell und erreichte die Erde bereits nach etwa 24 bis 25 Stunden. Während viele vergleichbare Ereignisse zwei bis vier Tage benötigen, traf dieser Teilchenstrom schon am 19. Januar gegen etwa 20:15 MEZ auf das Magnetfeld der Erde. In der Folge entwickelte sich ein **starker geomagnetischer Sturm der Kategorie G4 („severe“) **. Der planetare geomagnetische Aktivitätsindex Kp stieg zeitweise in den Bereich von 8 bis nahe 9 – Werte, bei denen Polarlichter weit nach Süden ausgreifen können.

Entscheidend für die außergewöhnliche Intensität war die Ausrichtung des interplanetaren Magnetfeldes. Der sogenannte Bz-Wert war über längere Zeit deutlich negativ (südlich), wodurch sich das Magnetfeld der Erde besonders effektiv öffnete. So konnten große Mengen energiereicher Teilchen tief in die Erdatmosphäre eindringen – die zentrale Voraussetzung für intensive und weitreichende Polarlichter auch in mittleren Breiten.

Im Eichsfeld herrschten in dieser Nacht nahezu ideale Beobachtungsbedingungen: klarer Himmel, trockene Luft und kein störendes Mondlicht. Dadurch waren die Polarlichter nicht nur fotografisch, sondern auch mit bloßem Auge klar sichtbar. Leuchtend grüne Bögen, rötliche Strukturen und dynamische Formen zeigten sich gleichzeitig in mehreren Himmelsrichtungen; zeitweise reichte das Leuchten sogar bis in den Süden. Der Himmel wirkte stellenweise wie von einem schimmernden, lebendigen Lichtdach überzogen – ein seltenes, nahezu 360-Grad-Polarlicht.

Europaweit wurde dieses Ereignis als eines der eindrucksvollsten der aktuellen Sonnenzyklus-Hochphase wahrgenommen. Sichtungen wurden aus Skandinavien, den Benelux-Ländern, Polen, Tschechien, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Norditalien und sogar aus Teilen Spaniens gemeldet. Die Farbpalette reichte von intensivem Grün über Rot bis hin zu violetten Strukturen, vielerorts deutlich ohne optische Hilfsmittel sichtbar.

Für das Eichsfeld war diese Nacht ein außergewöhnliches Naturereignis: eine seltene Kombination aus extremer Sonnenaktivität, idealen Beobachtungsbedingungen und einem Himmel, der in mehreren Richtungen gleichzeitig leuchtete – ein Moment, der sich nachhaltig einprägt.

Die Sonne am Mittag des 20.01.2026 – Abb. rechts mit Sonnenfleckengruppe AR 4341 markiert – Vaonis Vespera II + Sonnenfilter

„der Himmel brennt“ – Blick von Bodenrode (oberhalb Bhf) in Richtung Steinbach

Sichtbare „grüne Bögen“ in allen Himmelsrichtungen – Günterode Sportplatz

mit bloßem Auge sichtbare wandernde Lichter – Blick in Richtung Günterode

Satt eingefärbter Himmel über Heilbad Heiligenstadt

selbst am Folgetag (20.01.2026) noch sichtbare Lichter – hier bei Günterode

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